Was auf den fünf Seiten des Energieausweises steht
Ein Energieausweis folgt einem festen Aufbau. Die erste Seite nennt allgemeine Hausdaten: Adresse, Baujahr, Gebäudetyp, Anzahl der Wohnungen und den Anlass der Ausstellung. Die zweite und dritte Seite tragen die eigentlichen Kennwerte, beim Bedarfsausweis berechnet aus Bauteilen und Heizungstechnik, beim Verbrauchsausweis aus den echten Abrechnungen. Die vierte Seite enthält die Modernisierungstipps, die fünfte erklärt die verwendeten Begriffe.
Am wichtigsten für den ersten Überblick ist das Feld mit der Energieeffizienzklasse, meist als Farbskala von grün bis rot mit dem Buchstaben A+ bis H daneben. Sie fasst den Endenergiewert Ihres Hauses in eine von neun Stufen zusammen und macht so unterschiedliche Häuser auf einen Blick vergleichbar. Wann Sie überhaupt einen Energieausweis brauchen, erklärt Wann der Energieausweis Pflicht ist.
Was Endenergiewert und Primärenergiewert bedeuten
Der Endenergiewert zeigt, wie viel Energie für Heizung, Warmwasser und eventuell Lüftung am Haus ankommen muss, umgerechnet auf die Wohnfläche. Er ist das, was auf Ihrer Rechnung landet. Der Primärenergiewert rechnet zusätzlich ein, wie viel Energie für Gewinnung, Umwandlung und Transport des jeweiligen Energieträgers zusätzlich nötig ist, bevor er bei Ihnen ankommt.
Beide Werte hängen über einen festen Faktor zusammen. Er unterscheidet sich stark nach Energieträger: 1,8 für Netzstrom, 1,1 für Erdgas und Heizöl, 0,2 für Holz und Pellets. Ein mit Strom beheiztes Haus hat deshalb einen deutlich höheren Primärenergiewert als ein gleich sparsames Haus mit Pelletheizung, obwohl beide gleich viel Energie am Haus verbrauchen. Für Ihre Heizkostenabschätzung zählt vor allem der Endenergiewert. Der Primärenergiewert ist die ökologische Zusatzinformation.
Welche Klasse für welche Heizkosten steht
Die neun Klassen ordnen den Endenergiewert in Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr ein. Sie stehen auch für überschlägige Heizkosten. Ein Haus der Klasse C kostet demnach etwa 16 Euro je Quadratmeter und Jahr, eines der Klasse F mehr als das Doppelte, etwa 32 Euro.
| Klasse | Endenergiewert in kWh je m² und Jahr | Heizkosten je m² und Jahr (überschlägig) |
|---|---|---|
| A+ | bis 30 | etwa 3 Euro |
| A | über 30 bis 50 | etwa 7 Euro |
| B | über 50 bis 75 | etwa 11 Euro |
| C | über 75 bis 100 | etwa 16 Euro |
| D | über 100 bis 130 | etwa 21 Euro |
| E | über 130 bis 160 | etwa 26 Euro |
| F | über 160 bis 200 | etwa 32 Euro |
| G | über 200 bis 250 | etwa 40 Euro |
| H | über 250 | 50 Euro oder mehr |
Für eine 70 Quadratmeter große Wohnung der Klasse C ergibt das schon etwa 1.120 Euro Heizkosten im Jahr, bei Klasse F wären es rund 2.240 Euro für dieselbe Fläche. Rechnen Sie diese Überschlagswerte immer mit Ihrer eigenen Wohnfläche durch, denn der Buchstabe allein sagt nichts über die Größe Ihrer Wohnung.
Was die Modernisierungstipps taugen und was nicht
Die ausstellende Person muss im Ausweis Tipps für kosteneffiziente Verbesserungen geben, sofern es sinnvolle gibt. Nur bei einem Neubau ohne weitere sinnvolle Maßnahme darf dieses Feld leer bleiben. Die Tipps nennen meist Dämmung, Fenstertausch oder eine neue Heizung, teils mit grober Einschätzung der Einsparung.
Verwechseln Sie diese Liste nicht mit einem Sanierungsfahrplan. Die Tipps sind unverbindliche fachliche Hinweise ohne die genaue wirtschaftliche Prüfung, Reihenfolge und Förderberatung eines Sanierungsfahrplans. Ihre Qualität schwankt außerdem stark zwischen den Ausstellern, besonders bei günstigen Online-Verbrauchsausweisen ohne Begehung. Nehmen Sie sie als ersten Hinweis, nicht als Grundlage für eine teure Entscheidung.
- Prüfen Sie, ob der Tipp zu Ihrem tatsächlichen Baujahr und Bauteilaufbau passt, nicht nur zu einer groben Altersgruppe.
- Vergleichen Sie eine genannte Einsparschätzung mit einer zweiten, unabhängigen Quelle, bevor Sie investieren.
- Fragen Sie bei fehlenden Tipps nach, warum die ausstellende Person keine kosteneffiziente Maßnahme sieht.
- Nutzen Sie die Tipps als Gesprächsgrundlage für eine echte Energieberatung, nicht als deren Ersatz.
Welche Klasse für Verkauf und Finanzierung zählt
Die Energieeffizienzklasse wirkt über den reinen Informationswert hinaus. Nach einer Erhebung von Stiftung Warentest gewähren manche Banken bei guten Klassen Zinsabschläge von bis zu 0,3 Prozentpunkten auf einen Immobilienkredit. Schlechte Klassen können dagegen Zinsaufschläge von bis zu 0,7 Prozentpunkten nach sich ziehen. Bei den Klassen G und H lehnt manche Bank eine Finanzierung sogar ganz ab oder verlangt eine zusätzliche Sicherheit.
Für Verkäufer heißt das: Eine gute Klasse ist ein Verkaufsargument, das sich im erzielbaren Preis niederschlagen kann. Eine schlechte Klasse macht Käufer zurückhaltender, nicht nur wegen der Heizkosten, sondern auch wegen der Finanzierung. Rechnen Sie deshalb bei einem Haus der Klasse F, G oder H damit, dass Interessenten die Modernisierungskosten in ihre Preisvorstellung einrechnen.
Liegt Ihr Haus in Klasse F, G oder H?
Rechnen Sie mit Zinsaufschlägen bei der Finanzierung und mit Nachfragen von Käufern. Prüfen Sie die Modernisierungstipps auf Umsetzbarkeit, bevor Sie verkaufen.
Liegt es in Klasse A+, A oder B?
Nutzen Sie die gute Klasse aktiv als Argument, manche Banken gewähren dafür einen Zinsabschlag.
Klasse C bis E liegt im breiten Mittelfeld ohne große Wirkung auf Zins oder Preis. Die Tipps zeigen trotzdem, wo eine spätere Sanierung ansetzen könnte.
Woran Sie einen unplausiblen Kennwert erkennen
Manche Fehler erkennen Sie ohne Fachwissen, wenn Sie die Kennwerte Ihrem eigenen Wissen über das Haus gegenüberstellen. Ein 1985 gebautes, nie gedämmtes Haus, das plötzlich Klasse B zeigt, ist ebenso ein Warnzeichen wie ein frisch saniertes Haus, das nur Klasse E erreicht. Auch ein Endenergiewert, der stark vom Ausweis eines Vorjahres desselben Hauses abweicht, verdient eine Nachfrage.
- Vergleichen Sie den Endenergiewert mit dem Baujahr: Häuser vor 1977 liegen ohne Sanierung meist in den Klassen F bis H, gut sanierte Altbauten erreichen C bis D.
- Prüfen Sie, ob der angegebene Wärmeerzeuger zu Ihrem tatsächlichen Heizsystem passt.
- Kontrollieren Sie bei einem Verbrauchsausweis, ob die zugrunde liegenden Abrechnungsjahre plausibel und vollständig sind.
- Fragen Sie bei einer großen Abweichung zu einem älteren Ausweis desselben Hauses gezielt nach dem Grund.
- Lassen Sie bei anhaltenden Zweifeln die Berechnung von einer zweiten, unabhängigen Person gegenprüfen.
Bestätigt sich der Verdacht, wenden Sie sich zuerst schriftlich an die ausstellende Person und bitten Sie um eine Korrektur oder Erklärung. Bleibt die Antwort aus oder überzeugt sie nicht, hilft ein zweites Angebot, den Wert einzuordnen, bevor Sie den Ausweis gegenüber Käufern oder Mietern verwenden.
Häufige Fragen
Was bedeutet die Energieeffizienzklasse für meine Heizkosten?
Sie ordnet den Endenergiewert in eine von neun Stufen von A+ bis H ein. Nach einer Auswertung von Stiftung Warentest liegen die überschlägigen Heizkosten bei Klasse C bei etwa 16 Euro je Quadratmeter und Jahr, bei Klasse F bei etwa 32 Euro.
Was ist der Unterschied zwischen Endenergiewert und Primärenergiewert?
Der Endenergiewert ist die Energiemenge, die am Haus ankommt und auf Ihrer Rechnung erscheint. Der Primärenergiewert rechnet zusätzlich die vorgelagerte Gewinnung und den Transport des Energieträgers ein, mit einem Faktor von 0,2 bei Holz bis 1,8 bei Netzstrom.
Muss ich die Modernisierungstipps aus dem Energieausweis umsetzen?
Nein, die Tipps sind unverbindliche fachliche Hinweise. Sie ersetzen keine eigene Energieberatung oder einen Sanierungsfahrplan und begründen keine Pflicht zur Umsetzung.
Wirkt sich eine schlechte Energieeffizienzklasse auf die Finanzierung aus?
Bei manchen Banken ja. Laut Stiftung Warentest sind Zinsaufschläge von bis zu 0,7 Prozentpunkten bei schlechten Klassen möglich, gute Klassen bringen bei manchen Instituten Abschläge von bis zu 0,3 Prozentpunkten.
Warum unterscheiden sich Bedarfsausweis und Verbrauchsausweis für dasselbe Haus manchmal deutlich?
Der Bedarfsausweis bewertet die Bausubstanz unabhängig von den Bewohnern, der Verbrauchsausweis den tatsächlichen, vom Heizverhalten geprägten Verbrauch. Beide Ergebnisse können für dasselbe Haus auseinanderfallen, ohne dass einer der Werte falsch ist.
Wieso zeigt mein neuer Energieausweis eine schlechtere Klasse, obwohl sich am Haus nichts geändert hat?
Prüfen Sie zuerst, ob sich die Berechnungsgrundlage geändert hat, etwa durch neue Verbrauchsjahre oder eine geänderte Bezugsfläche. Bleibt die Abweichung unerklärt, lassen Sie die Angaben von der ausstellenden Person oder einer zweiten Fachperson gegenprüfen.
